Zehn Jahre Monitoring der FFH-Pflanzenarten der Anhänge II und IV in Sachsen-Anhalt – eine Zwischenbilanz

Autor/innen

  • Anselm Krumbiegel
  • Philipp Brade
  • Christoph Hein
  • Frank Meysel
  • Jan Eckstein
  • Berit Glowka
  • Frank Müller

DOI:

https://doi.org/10.21248/mfk.7

Abstract

In den Jahren 2010/2011 erfolgte die Überprüfung der aktuellen sowie der aus der Literatur bekannten und zumindest noch als potenziell vorhanden eingestuften Fundorte der Pflanzenarten der Anhänge II und IV in Sachsen-Anhalt. Dabei konnten folgende Arten bestätigt werden: Angelica palustris, Apium repens, Cypripedium calceolus, Jurinea cyanoides, Liparis loeselii und Orthotrichum rogeri. Da trotz Nichtbestätigung ab ca. 2000 die Standortbedingungen an den alten Fundstellen von Coleanthus subtilis und Lindernia procumbens deren Ansprüchen entsprachen, wurden auch diese beiden Arten in das regelmäßige Monitoring aufgenommen, ebenso wie Luronium natans, der letztmalig 2005 gefunden wurde. Aufgrund von Neufunden bzw. Verifizierungen kamen nach 2012 außerdem Buxbaumia viridis, Hamatocaulis vernicosus und Mannia triandra hinzu. Insgesamt zeigt sich allein hinsichtlich der besetzten Fundorte ein überwiegend negativer Trend der Bestandsentwicklung: Luronium natans und Coleanthus subtilis konnten überhaupt nicht nachgewiesen werden und wurden in der aktuellen Roten Liste Sachsen-Anhalts als ‚ausgestorben bzw. verschollen’ erfasst. Lindernia procumbens konnte nur in einem der elf Untersuchungsjahre bestätigt werden. Die ursprünglich drei Fundorte von Angelica palustris und der eine Fundort von Apium repens sind seit 2021 bzw. 2022 nicht mehr besetzt. Von den ehemals fünf Vorkommen von Liparis loeselii sind 2022 nur noch drei vorhanden. Cypripedium calceolus konnte 2022 nur noch an neun der zehn 2012 eingerichteten Untersuchungsflächen nachgewiesen werden. Abgesehen von den insgesamt wenigen Vorkommen befinden sich diese bei nahezu allen vorab genannten Arten in einem ‚mittleren bis schlechten’ (C) Erhaltungszustand. Aktuell konnten lediglich zwei Vorkommen von Cypripedium calceolus mit ‚gut’ (B) bewertet werden. Jurinea cyanoides ist die einzige Gefäßpflanzenart, von der es aktuell (2019) teilweise sehr große Bestände in einem überwiegend ‚guten’ (B), teils sogar ‚hervorragenden’ (3 × A) und nur ausnahmsweise ‚mittleren bis schlechten‘ (2 × C) Gesamterhaltungszustand gibt. Zudem gelangen zwei erfolgreiche Neuansiedlungen, während ein von Beginn an nur sehr kleines Vorkommen inzwischen als erloschen gilt. Buxbaumia viridis wurde erstmals 2014 an einer Stelle gefunden und konnte 2019 dort bestätigt werden. Inzwischen sind mehr als 20 rezente Vorkommen der Art bekannt, wobei die meisten Vorkommen steril sind und Sporophyten bisher nur an zwei Fundorten nachgewiesen werden konnten. Ebenso konnte Mannia triandra an ihrem einzigen Fundort von 2015 auch 2020 bestätigt werden. Das sehr kleine Vorkommen von Hamatocaulis vernicosus aus dem Jahr 2014 wurde hingegen wahrscheinlich trockenheitsbedingt 2019 nicht wieder aufgefunden. Zu den fünf Vorkommen von Orthotrichum rogeri aus dem Jahr 2012 kamen drei weitere Nachweise hinzu, wobei bei der Überprüfung 2022 nur an drei der inzwischen insgesamt acht Fundorten ein Nachweis gelang, was aber u. a. mit der Lebensstrategie der Art erklärt werden kann. Insbesondere in den letzten Jahren haben sich die Standortbedingungen für einige Arten aufgrund der langandauernden Hitzeperioden und der starken Niederschlagsdefizite erheblich verschlechtert, was als eine wesentliche Ursache für den negativen Bestandstrend anzusehen ist. Darüber hinaus sind jedoch das überwiegend mangelnde behördliche Verantwortungsbewusstsein und fehlendes Interesse Grund für die insgesamt prekäre Situation. Unzureichende personelle und finanzielle Ausstattung behindern zudem die Umsetzung von Maßnahmen, die sich aus der Verpflichtung zur Erhaltung der Vorkommen der FFH-Arten grundsätzlich ergeben. Derzeit erfolgen Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in Sachsen-Anhalt ganz überwiegend dank des unterschiedlichen Engagements Interessierter (Ehrenamt, Forschung) unabhängig von behördlichem Zuständigkeitswirrwarr. In einer Übersicht sind die artspezifischen und für die einzelnen Fundorte angepassten Managementvorschläge zusammengestellt.

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2022-01-01

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